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Lebensdaten und Grundsätze von Agnes Neuhaus
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Da Frau Agnes Neuhaus,
die Gründerin unseres Verbandes, gleichzeitig auch die Gründerin unserer Einrichtung
ist, wollen wir einige Verbandsdaten, die bis zu ihrem Tod aufgelistet sind, präsentieren:
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1854
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Geburt als älteste Tochter
des Ehepaares Morsbach, das zum gehobenen Bürgertum gehörte.
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1877/78
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Studium an der Berliner
Musikhochschule
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1890
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Agnes Neuhaus war inzwischen Mutter von drei Kindern und lebte in
Dortmund (Ehemann ist Amtsrichter) und füllte ihre Rolle zwischen
bürgerlichem Wohlstand und den üblichen gesellschaftlichen
Verpflichtungen noch ganz auf konventionelle Weise aus.
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1899
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Beginn ihrer
ehrenamtlichen Tätigkeit als Betreuerin für geschlechtskranke Mädchen und Frauen.
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1899
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Gründung des "Vereins
vom Guten Hirten" (der Name wurde deshalb gewählt, weil die Mädchen und Frauen
oft den Klöstern vom Guten Hirten zugeführt wurden)
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1900
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Ihre Arbeit begründet sie ausschließlich religiös.
Parole: "Schützen vor dem Fall, retten nach dem Fall, sicherstellen nach der
Rettung", enge Bindung an die katholische Kirche, enge Zusammenarbeit
mit der für Prostituierte und Geschlechtskranke verantwortlichen Sittenpolizei
und Arbeit auf gesetzlicher Grundlage und in enger Verbindung mit den
kommunalen Behörden.
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1901/02
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Änderung des Namens in
"Katholischer Fürsorgeverein für Mädchen und Frauen" (da die Klöster vom Guten
Hirten einen schlechten Ruf hatten, schien es sinnvoll, den Namen zu ändern,
um kein Mißtrauen bei dem Klientel aufkommen zu lassen)
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1903
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Ortsgruppen schließen
sich zusammen und die Zentrale in Dortmund wird konstituiert Ideologische Grundlagen:
Fürsorgearbeit wurde als Herz-Jesu-Verehrung verstanden mit der
Intention, "die Ausbreitung des Reiches Christi in den Seelen zu erreichen".
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1905
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Rede auf dem 10. Caritastag,
in dem sie eine katholische Variante der Milieutheorie entwickelte.Ihr war wichtig,
moralisierende Verurteilung durch akzeptierendes Verstehen zu ersetzen.
Human waren ihre Vorstellungen zur Heimpädagogik. Die Kräfte sollten gütig
und geduldig sein, mit wenig Verboten operieren, keine zu langen Arbeits-
zeiten haben.
Mütter aus dem Landstreichermilieu behandelt sie oft autoritär, bevormundend
(diese Haltung läßt sich aus ihrer Herkunft erklären).
Rekrutierung der ehrenamtlichen Frauen aus der Mittel- und Oberschicht
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1905
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Tod des Ehemannes
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1910
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KFV verfügte schon über
13 Häuser mit 1.529 Betten, 1930 wurde der
Höchststand mit 132 Häusern bzw. 7.492 Betten erreicht,
geleitet wurden die Heime nahezu ausschließlich von Ordensschwestern,
gute Erfahrungen machte der Verein mit den Missionsschwestern vom
heiligsten Herzen Jesu aus Hiltrup bei Münster
Erziehungsziele: Unterordnung und Anpassung; Rollenbild der Frau:
christlich-traditionelles Rollenbild, ein romantisches Festhalten an einer
vorindustriellen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung,
Aufgaben des Verbandes: Errichtung von Pflegestellen, Adoptionen,
Übernahme von Vormundschaften, Ausbildungen, später: Kriegsfürsorge.
Geistlicher Beistand konnte nur in religiösen und theologischen Fragen
verbindliche Entscheidungen treffen.
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1916
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Der Verein stellt zur Entlastung von Frau Neuhaus Frau Elisabeth Zillken als
erste Generalsekretärin ein.
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1920
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Die Fürsorge entwickelte sich im Zuge der Kriegsfolgen zu einer wohlfahrts-
staatlichen Sicherheitsstrategie, die aber zugleich Bürokratisierung,
Professionalisierung und Zentralisierung implizierte.
Die Bedeutung, die dem KFV zukam und die Intensität seines Engagements für
die Zentrums-Partei spiegelt sich darin wider, daß Agnes Neuhaus zu den ersten
fünf weiblichen Abgeordneten zählte, die für diese Partei in der Weimarer
Republik Politik machten (bis 1930 Agnes Neuhaus, danach Elisabeth Zillken).
Mitarbeit am Reichswohlfahrtsgesetz, Verankerung des Subsidiaritätsprinzips.
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1921
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Haus Conradshöhe wird vom
Träger gekauft.
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1922
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Elisabeth Zillken wurde
zweite Vorsitzende.
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1932
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In 14, zumeist bedeutenden Verbänden war der KFV Mitglied.
Intention: Beziehungsnetz, Koalition von Fürsorgeexperten, Wahrung
katholischer Interessen und Durchsetzung christlicher Grundsätze.
Der KFV betonte in Abgrenzung zur bürgerlichen und sozialistischen Frauen-
gewegung die Mütterlichkeit als Prinzip auch für die Welt draußen; in diesem
Kontext meinte sie, "die Fähigkeit, die Mutterliebe vom Haus auf die Gemeinde
zu übertragen, auf die Welt, die dieser Kräfte so dringend bedarf".
Agnes Neuhaus forderte schon 1916, die Frauen müßten Einfluß auf die Gesetze
bekommen, weil Männer mit ihren Interessen stark auf Handel, Industrie und
Staatsapparat bezogen seien (männliches Prinzip: Konkurrenz, Eigennutz,
Spezialisierung und Bürokratisierung).
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1944
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Tod von Agnes Neuhaus,
Nachfolgerin wird Elisabeth Zillken, die erst 1980 als 92jährige starb, so daß sie
ein halbes Jahrhundert in unterschiedlichen Funktionen die Entwicklung der
Wohlfahrtspflege prägen konnte.
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